Story

UP - Die Geschichte

Viele Szene-Größen waren im Laufe ihrer Karriere mit UP verbunden: unter anderem die Weltrekord-Piloten Jim Lee und Larry Tudor, Looping-Star John Heiney und Weltcupsieger Uli Wiesmeier. Die komplette UP-Story füllt ein Buch - und liest sich wie eine Enzyklopädie des Flugsports. Ein Auszug aus der Geschichte im Überblick:

Die Anfänge 1970

1970, Pasadena, Kalifornien. Als jüngster Absolvent in der Geschichte des Instituts verlässt Pete Brock das Art Center, eine weltberühmte Schule für Design und Gestaltung. Seine Rennwagen-Entwürfe wie das Daytona Coupé von General Motors - eine Art US-Ferrari auf Basis der Cobra 427 - werden schnell legendär. Bald entdeckt Brock eine neue Leidenschaft: Drachenfliegen – Anfang der Siebziger wohl der verrückteste Sport, den man sich vorstellen kann. Es gab die unterschiedlichsten Modelle - eine Gemeinsamkeit besaßen sie alle: Sie waren tierisch gefährlich. So auch der erste Entwurf, der „Brock Redtail“. Als Pete Brock mit dem jungen Konstrukteur Roy Haggard zusammentrifft, reift ein neues Konzept. Der „Dragonfly“ ist der erste zufriedenstellend fliegende Post-Rogallo und wird das Debüt-Produkt ihrer neugegründeten Firma Ultralite Products. Eine Reihe weiterer erfolgreicher Konstruktionen folgt, darunter der Condor (Dauerflug-Weltrekord 1979: 16 Stunden, 4 Minuten).

Cometenhafter Aufstieg

Zum schnellen Erfolg trägt auch das von Pete Brock entworfene Markenzeichen bei: der UP-Pfeil erlangt Kultstatus und charakterisierte von Anfang an für viele Piloten wie kein zweites Firmenlogo den Geist des Drachen- und später auch des Gleitschirmfliegens. Neben dem Imagegewinn für UP sorgt dieses Emblem dafür, dass sich in der mittlerweile dreißigjährigen Geschichte der Firma regelmäßig Investoren darum bemühen, bei UP einzusteigen – 1980 zum ersten Mal ein Japaner: Yuseke Yamazaki – er stammt aus einer alten Samurai-Familie, die in Japan nach wie vor Hochachtung genießen – legt den Grundstein für den Erfolg in Asien.

Im gleichen Jahr kommt Roy Haggards zweite wegweisende Konstruktion auf den Markt: der UP „Comet“, einer der meistverkauften Hängegleiter aller Zeiten. Auf diesem Drachen basiert das bis heute gültige Konzept des Outrigger-losen Doppelsegels. Jim Lee erhöhte 1981 mit einem Comet den Freie-Strecke-Weltrekord auf 268 Kilometer. Natürlich wird die erfolgreiche Konstruktion geklont – so geschehen 1982 von UP’s Europa-Vertretung Airwave. Der „Magic“ ist nichts anderes als ein modifizierter Comet.

Mitte der Achtziger ziehen sich die Gründer Pete Brock und Roy Haggard aus der Firmenleitung zurück. In den folgenden Jahren wechseln Eigentümer und Firmensitz mehrfach. Aus UP wird UP International, das zu 100% einem japanischen Konzern – Isomura Inc. – einverleibt wird. Die Verbindungen stellt Yuseke Yamazaki her.

Durch die Erfolge im Drachenbau ermuntert, erweitert Isomura Inc. das Geschäftsfeld: Fortan engagiert man sich auch beim Windsurfen, UL-Fliegen und in der Modebranche. In Japan ist der Pfeil als Label der Bekleidungslinie UP-Sports auf T-Shirts, Jacken und sogar Socken zu finden. Am berühmten Venice-Beach in Los Angeles bieten erschöpften Rollerbladern noch heute Bänke mit dem Pfeil auf der Rückenlehne Erholung – gestiftet Mitte der Achtziger vom ansässigen UP-Surfshop.

Nicht nur das Logo, auch die Standorte der Headquarters, wie das UP Soaring Center in Salt Lake City, werden legendär. Dort entsteht unter der Leitung des neuen Konstrukteurs Terry Reynolds der TRX: der erste Seriendrachen mit Carbon-Gestänge-Elementen. Trotz innovativer Technik sollte er lange der letzte erfolgreiche UP-Drachen bleiben.

Der neue Trend heißt Gleitschirmfliegen: UP springt etwas verspätet auf den Zug auf, doch 1990 landet der damals noch weitgehend unbekannte Konstrukteur Gin Seok Song auf Anhieb einen Volltreffer: Sein in Amerika gemeinsam mit dem Testpiloten Greg Smith entwickelter „Flash“ ist revolutionär. Als erster Gleitschirm hat er eine perfekte geglättete Eintrittskante und mehr Leistung als alle Konkurrenzprodukte. Der Schirm ist im Wettbewerb lange Zeit tonangebend und am Markt ein Bestseller. Doch der Flash bleibt Gin’s einziger Entwurf für UP, der Koreaner erhält bald ein lukratives Angebot vom Konkurrenten Edel - damals ebenfalls neu auf dem Gleitschirmmarkt. Importeur für den deutschsprachigen Raum ist zu dieser Zeit Claus Bichlmeier.

Von Deutschland in die ganze Welt

Der weiterhin florierende Gleitschirmmarkt verlangte nach professionellen Strukturen. 1992 gründet Ernst Schneider UP Europe. Fortan werden alle Gleitschirme in Europa entwickelt und getestet, den Firmensitz verlegt Ernst Schneider nach Sindelsdorf bei Garmisch. Seine Mitarbeiterliste liest sich wie ein „Who is Who“ der Gleitschirmszene. Konstrukteur Rasso von Schlichtegroll - später Mitbegründer von FreeX - gelingen mit Schirmen wie dem Katana, dem Vision und dem Tandem Pickup Bestseller. Von Anfang an dabei auch Ernst Strobl. Der Chef-Testpiloten krönt 1992 seine Wettkampf-Karriere mit dem Europameistertitel. Uli Wiesmeier gewinnt im selben Jahr mit dem Flash-Nachfolger Katana souverän den ersten PWC. Neben seinem Engagement im Wettbewerb ist Uli verantwortlich für den Öffentlichkeitsauftritt von UP. Die von ihm konzipierte Werbung, die Bekleidungslinie Skywear und mehrere aufwändige Filmproduktionen tragen entscheidend dazu bei, dass der Mythos UP auch im Gleitschirmbereich weiterlebt.

Den PWC ’94 gewinnt der französische UP-Pilot Richard Gallon. 1995 holt man den frischgebackenen Weltmeister Stephan Stiegler und Top-Piloten wie Peter Hensold, das italienische Streckenflug-Ass Eduard Taschler und „Rambo“ Sebastien Bourquin ins Team.

Durch den Erfolg im Gleitschirmsektor motiviert, installiert Ernst Schneider wieder eine Hängegleiterabteilung unter dem Dach von UP Europe.

In den USA gründet das einstige UP-Entwicklungsteam unter der Leitung von Dick Chainey und John Heiney eine eigene Firma, aus der später Altair hervorgeht.

Bernd Weber, damals Chef von Thalhofer und Mitbegründer der Starrflüglerschmiede A.I.R., übernimmt in eigener Regie die Leitung der neuen Drachen-Sparte. Nach beinahe fünfjähriger Pause kommt 1995 mit dem „Speed“ wieder ein UP-Drachen auf den Markt, zwei Jahre später folgt die turmlose Version „Speed TL“.

Noch im gleichen Jahr veräußert Ernst Schneider UP Europe – der Käufer stammt wiederum aus Japan. Der Unterhaltungskonzern Daiichi Kosho macht zu Hause mit Karaoke-Veranstaltungen und Zubehör hohe Gewinne, der Flugsport soll das zweite Standbein werden. Mit den weiterhin in Europa entwickelten Gleitschirmen ist „DK“ in Japan schnell Marktführer – kein Wunder, denn Daiichi Kosho betreibt dort eigene Flugschulen.

Die Japaner investieren eine Menge Geld in UP Europe. Das Wettkampf-Team und der Mitarbeiterstab wird erweitert - 1997 fliegt die Hälfte der deutschen Liga den neuen Hochleister Escape. Im oberbayerischen Kochel am See bezieht UP Europe neue Geschäftsräume, zeitweilig arbeiten dort 20 Angestellte.

Doch der Gleitschirmboom hat den Zenit überschritten, der wirtschaftliche Erfolg bleibt aus und Fehler im Management der Japaner führen dazu, dass Konstruktionen auf hohem Niveau – wie der Soul, der Escape und der Blues – nicht mehr an die Erfolge ihrer Vorgänger anknüpfen können. Zusätzlich kommen von Anfang an viele Mitarbeiter mit dem japanischen Führungsstil nicht zurecht und verlassen UP. Allen voran Ernst Strobl, der anschließend Airea gründet.

Die neue Ära

Als sich Daiichi Kosho 1999 von UP Europe trennt, beginnt das jüngste Kapitel der UP-Story. Wiederum interessieren sich mehrere Bieter für die Traditionsmarke mit dem klangvollen Namen. Die Drachensparte wird von Bernd Weber aufgegeben, den Zuschlag für die Gleitschirmsparte erhält der Schwede Christian Rönning. Der junge Manager gehört 1988 in seinem Heimatland zu den ersten Gleitschirmfliegern und bringt langjährige Erfahrung als Berater ausländischer Firmen in Asien mit.

Christian Rönning übernimmt Ende 1999 die Leitung von UP und mit einem erheblich reduzierten Mitarbeiterstab beginnt er den Neuanfang. Dabei steht ihm ein erfahrenes Team zur Seite. Für die Entwicklung sind weiterhin Ex-Weltmeister Stephan Stieglair, Torsten Siegel und Georg Maier verantwortlich, auf deren Know-how die aktuelle Produktpalette basiert. Innerhalb eines Jahres konnte UP alle älteren Schirme durch neue Modelle ersetzen und mit den Schirmen Pulse, Makalu, Summit, Gambit, Sherpa und Gambit C die neue Ära einleiten. Und auch bekannte Namen finden sich jetzt bei UP wieder ein: Peter Brinkeby, schwedischer Weltklasse Pilot, verstärkt das Wettkampf-Team und zusammen mit Martin „Poddl“ Fischer wird er dafür sorgen, dass UP Schirme in Zukunft wieder in der ganzen Welt zu finden sind.

(© Christoph Kirsch / Fly & glide 07/2000)

Mit Erfolg ins neue Jahrtausend

Im Jahr 2000 setzt UP im Schulungsbereich mit dem Puls neue Maßstäbe. Als der "sicherste Schirm aller Zeiten" stieß UP's neuer 1er bei den Flugschulen auf eine sehr positive Resonanz und erzielte herausragende Verkaufszahlen. 2002 erschien der noch heute legendäre Trango erstmals auf der Gleitschirmbühne. Durch eine innovative Bauweise und zahlreiche Erfolge, die Konstrukteur Stephan Stiegler in der Serienklasse erzielte, wurde der Trango zum Inbegriff als DER Schirm im 2-3er Segment. Dann überschlagen sich die Ereignisse, Alex Hofer wird 2003 auf dem Targa Weltmeister, 2004 gewinnt Oliver Rössel den Gesamtworldcup, Alex Hofer siegt 2005 bei den Red Bull X Alps und kurz darauf steht Peter Neuenschwander 2006 als Vize Akroweltmeister auf dem Podium. 2007 bringt UP einige neue Modelle auf den Markt. Im Schulungsbereich folgt der Ascent mit einer nie da gewesen Leistung in dieser Klasse. Ein Schirm mit DHV 1, einer realen Höchstgeschwindigkeiten von über 50 km/h und absolut überzeugender passiver Sicherheit. UP setzt die Messlatte erneut eine Stufe höher.

Auch im Bereich der Serienhochleister sorgt der Trango3 bereits kurz nach seiner Einführung für Schlagzeilen. Die Leistung des Serienhochleisters schließt endgültig zu den Geräten der offenen Klasse auf und ermöglicht den Piloten eine erstaunliche Leistung in Verbindung mit einem extrem guten Sicherheitsverhalten. UP wird diese Fortschritte zum Anlass nehmen, um auch in Zukunft die Entwicklung seiner Produkte weiter voranzutreiben. Der Motivation dafür ist einfach: die Leidenschaft am Fliegen, die wir mit möglichst vielen Piloten teilen möchten. Die Sicherheit für alle UP Piloten wird für uns weiterhin an oberster Stelle stehen, ohne dass man auf Leistung pur verzichten muss.